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Erschienen am 14.12.2010 im W&O Doppelte Freude im «Rössli» Es läuft rund für Silvia und Günther Rüscher vom Gasthof Rössli in Werdenberg: Sie wurden mit der höchsten Punktezahl der Region im neuen Guide-bleu ausgezeichnet und in die Tafelgesellschaft «Zum Goldenen Fisch» aufgenommen. Von Doris Büchel |
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Erschienen am 12.08.2010 im
Die Stimmung am Werdenberger See ist schon fast kitschig. Die Abendsonne taucht die «kleinste Stadt der Schweiz» in warmes Licht, ein Reh huscht über die Wiese am Waldrand, und in der Luft liegt «Figaros Hochzeit», denn die Werdenberger Schlossfestspiele haben begonnen. Am Eingang zum Städtli wirten Silvia und Günther Rüscher im dritten Jahr im «Rössli». Nach zehn Jahren in der Kriessner «Sonne» sind die Grabserin und der Bregenzer nach Werdenberg gezügelt.
Kombinieren nach Belieben:
«Vorspeisen» und «Hauptspeisen» waren gestern, im «Rössli» gibt es «Tasters». Gerichte für den kleinen Hunger, die der Gast aber auch zu einem eigenen Menu zusammenstellen kann. «Kombinieren Sie nach Lust und Laune», heisst es in der Karte, bei Rüschers Viergänger aber gilt: «Das Menu wird nur komplett serviert.» Entweder man hat also freie Hand, oder man folgt den Vorschlägen des Küchenchefs. Wir sind zu zweit und entscheiden uns deshalb für beides. Der erste «Taster» ist ein scharfes Tatar und Carpaccio vom Rind mit Eierschwämmchen, Parmesan und Rucola (24.–). Die Dame wählt das Menu (4 Gänge, 78.50) und startet mit einem fast zu detailverliebt angerichteten Vitello tonnato. Dazu trinken wir einen Soave Classico «Vigneti di Monte Forte» (1dl, 6.30). Vorerst nur ein Glas, denn die Weinkarte mit ihrem wechselnden Angebot an offenen Weinen lädt ebenfalls zum «Kombinieren nach Lust und Laune» ein. Der zweite Menugang bringt die Küchenphilosophie von Günther Rüscher auf den Punkt: Eine heisse Orangen-Karotten-Ingwer-Suppe mit einem kalten Gazpacho und einem eisgekühlten Peperonisorbet, dazu ein Oliven-Crostino. «Ich sage meinen Lehrlingen immer: Aus Rüebli kann man nicht nur Salat oder Gemüse machen», sagt Rüscher. Deshalb serviert er Peperoni nicht nur als Gemüsebeilage oder Salatgarnitur, sondern eben auch überraschend in Eiskugelform. Und den Gazpacho giesst er nicht gemixt in den Suppenteller, sondern füllt ihn ins Gläschen, nach Farbe sortiert.
Erleuchtung zum Dessert Das «Rössli» ist als Mitglied der Tafelgesellschaft zum Goldenen Fisch bekannt für guten (Bodensee-)Fisch. Auch an diesem Abend sind drei von vier Hauptgängen Fischgerichte. Wir schliessen uns an und wählen als weiteren «Taster» den gebratenen Zander mit Risotto, Eierschwämmchen, lauwarmer Vinaigrette und getrockneten Tomaten (35.–). Das Fischfilet ist butterzart, nur der Risotto hätte uns weniger gesalzen noch besser geschmeckt. Begeistert sind wir vom Menu-Hauptgang, einem marinierten Kalbskotelett mit gerösteten Eierschwämmchen, Selleriepüree und gebackenen Kartoffelwürfeln. Beim Dessert werden wir erleuchtet; an den Teller mit der Limetten-Panna-Cotta ist ein LED-Lämpchen festgeklemmt. Auch zum Kaffee kommt eine Schiefertafel mit beleuchtetem Mini-Dessert auf den Tisch. Ist das noch originell oder schon zu ausgefallen? Den Brownie mit Beeren und Vanilleglace (13.50) geniessen wir jedenfalls bei natürlichem Licht.
Unser Eindruck: Ein Besuch im «Rössli» ist eine köstliche Entdeckungsreise, mit einer äusserst freundlichen Bedienung als Reisebegleiterin. Roger Berhalter.
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